CV


D Peter Garmusch lebt und arbeitet in Wien

Charakteristisch für seine Arbeit ist die subjektive Bedeutungsaufladung von Objekten indem sie zerlegt, untersucht und neu zusammengebaut werden. Der inszenatorische Rahmen bleibt dabei oft sichtbar. Stilistisch zeigt sich dies durch Veränderung der Größe, des Hintergrunds oder durch spielerische Verfremdung der ursprünglichen Zuschreibung.

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E Peter Garmusch lives and works in Vienna

His work is characterized by dismantling objects, examining them and putting them back together in an innovative manner, imparting them with a subjective meaning. The conceptual framework involved often remains visible to the viewer through the use of various techniques: changing the background, the object's size or playfully deviating from its original attributes.

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Peter Garmusch über seine Arbeit 27.06.2014


D ..."Meine Fotografien sind nie nur das Festhalten eines bestimmten Momentes, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses. Es entstehen zumeist großformatige Fotografien, die Skulpturen abbilden, die inszenatorisch und dramaturgisch in Szene gesetzt werden. Diese Skulpturen/ Gegenstände können ready-mades sein oder auch von mir speziell angefertigte Werke. Gemein ist ihnen, dass sie aus ihrer Umgebung und Bedeutungszuschreibung herausgelöst werden. Durch die Fotoarbeit erfährt das Dargestellte nochmals einen Veränderungsvorgang, indem es in seiner Dimension verändert und in einen neuen Kontext gestellt wird."
E ''...My work is never about just capturing a particular moment; it's the result of a long process, which gives rise to mostly large scale photographs depicting sculptures that take center stage. These sculptures/objects are either ready-mades or things that I've created myself. What they have in common is that they're dissociated from their surroundings and the meaning that is generally attributed to them. Photographing the object/sculpture engenders an additional transformation process, taking everyday objects and, for example, changing their dimensions so much that a new context appears..."



Nina Schedlmayer in raw 30.06.2015


D Auf den Leib gerückt

Einst klopfte das tropfende Herz in einem Schwein. Jetzt scheint es in der Luft zu schweben. Ein Gummiring schlingt sich um das Organ. Es ist fast, als sähe man ein menschliches Herz, das hier zwar dysfunktional ist – durch die Einschnürung aber gewissermaßen noch weiteres Ungemach erleidet. Es wirkt, als wäre es weder tot noch lebendig.
Vielleicht lässt einen das Bild deshalb so sehr erschaudern (Sigmund Freud erkannte die Ungewissheit, ob etwas am Leben sei oder nicht, als eine Kategorie des Unheimlichen).

Peter Garmusch inszeniert in seinen Fotografien Gegenstände so, dass sie wie Skulpturen wirken. Wie das Schweineherz erscheinen auch die verpackten Perücken, die er auf Sumatra auftrieb, ortlos. Tatsächlich wurden sie mit Hilfe aufwändiger Konstruktionen in Distanz zu Böden und Wänden gehalten. Nur ab und zu erkennt man, ansatzweise, die Struktur einer Mauer. Den Dingen wird so ein ikonischer Charakter verliehen (auch Andachtsbilder besitzen manchmal bloß einen monochromen Hintergrund). Ihre Wirkung beziehen diese Arbeiten darüber hinaus aus ihrem Gewicht – die Fotografien sind zumeist in schwere Rahmen gefasst.

In der Fotoserie „Turbulent Gold“ präsentiert Garmusch Autos, die bei Unfällen zerstört wurden, in einem provisorischem Raum aus Goldfolie – es handelt sich um sogenannte Unfallfolie, die in jeder Autoapotheke sein sollte; eine recht trashige Erscheinung. Im Gegensatz zu Andy Warhols „Car Accidents“ und Armans Assemblagen gequetschter Karosserien geht es Garmusch um einen Nebeneffekt des Unfalls: In den kaputten Fahrzeugen gefror die Aktion eines Sekundenbruchteils – wie in der Fotografie übrigens. Dass hier zwei Gegenstände mit unglaublicher Energie aufeinanderprallten, gibt den Objekten eine zusätzliche Dimension (übrigens handelt es sich ausschließlich um Fahrzeuge, in denen niemand starb).

Seine Serie nahm Garmusch in Kampala auf; dort richtete er sich temporär ein Fotostudio ein, streifte durch die Straßen und nahm Bilder mit: Einen Marktstand, auf dem Reizwäsche und Religiosität aufeinander treffen. Einen riesigen Taxistand, auf dem Autos ineinander verkeilt und dennoch durch eine undurchschaubare Ordnung organisiert sind. Ein Einkaufszentrum, vor dem bunte Autobusdächer eine fast abstrakte Fläche bilden.

Unterstützt das große Format bei den Objektfotografien die skulpturale Erscheinung von Herzen und Perücken, so lädt es einen bei den Bildern, die urbane Situationen wiedergeben, ein, die Szenerien gleichsam zu betreten: Es ist, als wäre man plötzlich selbst inmitten von Kleinbussen und Wäschebergen. Garmuschs Fotografien rücken einem geradezu auf den Leib.
E Up close and personal

At one time, the heart dripping blood was beating inside a pig. Now, it appears to be hovering in mid-air. A rubber band is wrapped around this seemingly human heart. By wrapping a rubber band around it, it seems as if this dysfunctional organ is most definitely subjected to further suffering; we can't tell if it's alive or dead.

Perhaps that's why this picture is so unsettling (Sigmund Freud categorized the uncertainty as to whether or not something is alive as an aspect of the uncanny). Peter Garmusch arranges objects in his photographs so that they appear to be sculptures. Both the Ugandan pig’s heart and the wigs he found on Sumatra, still in their original packaging, appear to be placeless. In fact, with the help of elaborate constructions, the objects seem to be in the air and not supported by a wall. It’s only occasionally that the structure of a wall is visible; this imparts the objects with an iconic character (sometimes religious icons only have a monochrome background as well). Additionally, by photographing the objects in a way that focuses on their largeness, these photographs become even weightier – most of the photographs are presented in heavy frames.

In the photo series “Turbulent Gold”, Garmusch presents cars that were destroyed in accidents, using a makeshift room made out of gold foil. The foil is used to make space blankets, one of the things that should be in every driver’s trunk, creating a genuinely trashy appearance.

Unlike in Andy Warhol’s “Car Accidents” and Arman’s assemblages of crushed car bodies, Garmusch uses the totaled vehicles to convey one of the side effects of an accident: the act of capturing what transpires within a millisecond. This is one of the principles of photography, by the way. The fact that two objects collided with one another with an unbelievable amount of energy gives them an added dimension (fortunately, no one was killed in any of the cars used in the photo series).

Garmusch shot his series in Kampala; he set up a temporary photography studio there and took pictures while wandering through the streets of the Ugandan capital: a market stand, where lingerie and religiosity meet; a huge taxi stand, where the cabs are parked haphazardly, yet with some sort of enigmatic sense of order, appear to be organized; a shopping center, with an almost abstract surface in front of it, created by colorful bus roofs. While the large format used to photograph the heart and the wigs gives rise to the objects' sculptural appearance, the photographs of urban situations beckon us to actively participate in their scenarios; suddenly, it's as if we were standing in the middle of a group of minibuses and mountains of laundry. Garmusch's photography gets up close and personal.



Zur Ausstellung Studio Kampala im AAI Graz 15.01.2015


D Die Begegnung mit anderen Kulturen, ist oft von Skurrilität und Humor geprägt. Gegenseitiges Unverständnis, durchaus aber Interesse sowie unterschiedliche Wertmaßstäbe scheinen Handlungsabläufe und Beobachtungen zu bestimmen.
Wenn Peter Garmusch in Ugandas Hauptstadt Kampala ein Fotostudio einrichtet, treffen zwei Kulturtraditionen aufeinander. Obwohl gerade die Fotografie in Afrika seit den 1960er Jahren eine besondere Rolle spielt, bleibt der westliche Besucher mit seinem Fotoapparat in gewisser Weise ein Alien. Garmusch zitiert mit seinem „Studio Kampala“ jene Straßenlokale, die Fotodienstleistungen anbieten – von Passfotos bis zu Hochzeitsfotos und Portraitaufnahmen.
Er nutzt die performative Dynamik, die zwischen westlicher Reisefotografie und der afrikanischen Selbstdarstellung bzw. dem Alltäglichen entsteht. Gewohntes wird von ihm aus dem lokalen Kontext isoliert und fotografiert. So wird beispielsweise ein vollbepacktes Fahrrad im Foto zur Skulptur. Es geht ihm dabei nicht nur um die visuelle Wahrnehmung. Deswegen kombiniert er seine großformatigen Fotos oft mit Alltagsgegenständen oder Tönen um einen ganzheitlicheren Eindruck zu erzeugen. Die Fotografie ist dabei Mittel zum Zweck. Die Begegnung auf einer interkulturellen Ebene wird zur sozialen Performance, die alle Sinne anspricht.

Günther Holler-Schuster
Universalmuseum Joanneum
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